U-23 EM Zagreb 2011


5
Jul 11

Zuhause

Gestern Nacht ist das Schweizer Team zurückgekehrt aus Zagreb. Die Reise verging ganz schön schnell und der Sonnenuntergang am Vierwaldstättersee hat mich anständig willkommen geheissen.

Am Sonntag standen noch die 500m an. Christophe und ich starteten im Zweier B-Final. Ich fühlte mich nicht besonders, nach dem 1000m fingen Magendarmbeschwerden und Kopfschmerzen an. Am Sonntag hatte ich immer noch solche, trotzdem gaben wir nochmals Vollgas. Der Start war gewohnt verhalten, doch wir machten ein starkes Mittelstück und Finish, was uns der 4. Rang beschehrte. Die Slowenen Rok Kuk und Lovro Leban gewannen diesen Lauf mit 2 Sekunden Vorsprung auf uns. Die beiden sind gute Freunde von mir und wir haben schon unzählige Kilometer zusammen erpaddelt im Training.

K2 500m Start (Schweiz Bahn 5)

K2 500m Start (Schweiz Bahn 5)

Diese U-23 EM werde ich wohl immer in meiner Erinnerung behalten. Es passierten so viele guten Dinge in Zagreb die ich nie vergessen will. Die nächsten vier Wochen trainiere ich zu Hause und in Rapperswil um mich auf die WM in Szeged vorzubereiten. Dort werden Christophe und ich wieder alle Distanzen im K2 in Angriff nehmen.

38 Nationen und 600 Athleten an der EM in Zagreb

38 Nationen und 600 Athleten an der EM in Zagreb

Die lokale Zeitung in Nidwalden hat heute mich mit einem Verweis auf der Frontseite platziert. Den Bericht findet ihr unter diesem Link. Vielen Dank an meinen Pressechef Eugen Dornbierer für die viele Zeit, die er in mich investiert! Einen weiteren Dank möchte ich meinem grössten Kritiker und Förderer zugleich aussprechen. Nationaltrainer Ingolf Beutel hat mich wiedermal hervorragend auf die EM vorbereitet und während den Rennen bestens gecoacht. Ich paddle zwar bei weitem noch nicht so, wie er sich das vorstellt, aber der Wille stirbt zuletzt.

Nationalcoach und Fahrradfreund Ingolf Beutel

Nationalcoach und Fahrradfreund Ingolf Beutel


2
Jul 11

7. Rang und wie…

So da war er nun mein erster Finaltag. Ich schlief nicht sonderlich gut, zu viele Gedanken kursierten in meinem Kopf. Da mein Rennen erst um 13.14 startete, schlief ich aus und joggte um 08.00 zum Aufwachen los. Sicherlich war der Gedanken ein bisschen Vermessen, aber in dem Moment zählte für mich nur die Medaille. Ich wollte sie und ich wusste, dass ich sie kriege obwohl ich der unterste Underdog aller Zeiten war. Ein kleiner Schweizer Käse in einer Sportart, in der die Schweiz weder Tradition, Anerkennung noch Unterstüzung hat. Aber das alles zählte nicht, denn ich wollte diese Medaille. Ich hatte einen sehr relaxten Vormittag erst um 11.00 Uhr fuhr der Bus. Mich nervte das Warten obwohl meine Teamkollegen und ich die Zeit unterhaltsam verbrachten. Aber ich wollte Paddeln bis mir die Ohren abfallen und die Augen aus den Öffnungen treten.

Final nach 50m

Final nach 50m (Fabio Wyss Bahn 7)

Das Einfahren um 11.30 war so etwas von gut, jeder Schlag passte, ich fühlte mich noch nie so gut in meinem Boot. Das Gefühl wenn man von Energie strotzt ist schwer zu beschreiben, aber es machte Spass. Auch wenn ich mich noch immer nervte, dass ich noch kein Rennen fuhr. Ich musste mich beim Einfahren richtig zurückhalten ich war so motiviert.  In der Zwischenzeit das übliche Prozedere und danach ging ich auf das Wasser für meinen ersten Final. Ich war relativ relaxed, da wusste, dass ich nichts verlieren kann. Neben mir auf Bahn 6 und 8 starteten zwei grosse Namen. Bahn 6 Fernando Pimenta bereitete mir ziemlich grosse Sorgen. Er ist bekannt, als der schnellste 1000m Starter auf der Welt. Ein gutes Beispiel ist dieser Video vom Weltcup in Racice CZE in diesem Jahr. Ich bin wohl einer der langsamsten 1000m Starter auf der Welt. Das Foto oben beweist dies relativ aufschlussreich, nach 200m hat es noch viel schlimmer ausgesehen. Das Problem dabei ist, dass ich in seine Heckwelle komme. In seltenenen Fällen kann man davon profitieren, doch meistens zieht die Welle vorbei und man muss quasi Bergauffahren. Obwohl ich für meine Verhältnisse schnell startete und die ersten 250m mit einer Schlagzahl von 110 fuhr (Sonst ca. 100), hatte ich keine Chance. Auf der zweiten Hälfte versuchte ich nochmals aufdrehen und näher kommen, aber es ging nicht seine Welle war in meinem Weg.

Die letzten Meter im Kampf mit dem Russen Luchkin

Die letzten Meter im Kampf mit dem Russen Luchkin

Ich beendete das Rennen als 7. und bin zufrieden damit, ich habe meine Taktik umgesetzt, für den Rennverlauf kann ich nichts dafür. In einem perfekten Rennen wäre es vielleicht 1-2 Sekunden schneller gegangen, aber ich will gar nicht davon sprechen, weil ich mich schon so selbst überraschte. Meine Zeit lautete am Ende 3:33.334 und 6.8 Sekunden Rückstand auf den Sieger und Superstar Aleh Yurenia aus Weissrussland. Mit dieser Zeit bin ich in eine Spähre vorgestossen die ich mir erträumt hatte, aber noch nicht dieses Jahr in die Agenda eintrug. Nur sehr wenige Schweizer haben jemals eine schnellere Zeit erpaddelt. Ich bin 22 Jahre alt und paddle nun das dritte Jahr in dieser Disziplin und mache laufend Fortschritte. Die Medaille hole ich nächstes Jahr nach, ich gebe alles dafür! Morgen steht auf der 500m Distanz noch der B-Final mit Christophe an. Wir sind beide sehr fokussiert darauf und wollen alles geben.


1
Jul 11

Finalquali über 1000m im Einer

Mein bisher wichtigster Tag meiner Kanuregattakarriere die ich 2009 gestartet habe, starte um 06.45 Uhr. Ich stand auf, schnürte meine Laufschuhe und lief von unserem Appartment für ein 15 Minütiges Aufwachjogging. Danach gab es Frühstück und um 08.00 fuhr der Bus an die Strecke. Zuerst stand der 500m Halbfinal im Zweier an mit Christophe. Zwei Stunden vor dem Rennen ging es aufs Wasser um den Zweier einzufahren. Der Vorlauf von gestern war von der Zeit her nicht sehr aussichtsreich für den Halbfinal. Wir wussten aber, dass wir ein paar Kleinigkeiten ändern können und damit schneller sind. Gesagt, getan wir starteten für unsere Verhältnisse gut und hielten die Schlagzahl etwas höher. Bei Rennhälfte lagen wir auf dem zweitletzten Platz und holten danach auf. Von Position 8 schoben wir uns auf den vierten Platz nach vorne. Die ersten drei kamen direkt in den Final und wir waren 1 Sekunde hinter diesem geforderten Platz. Im B-Final können wir um Platz 10 kämpfen, wir starten auf Bahn 5 neben unseren Slowenischen Trainingspartner Rok Kuk und Lovro Leban, ich freue mich extrem auf diesen Vergleich. Auch wenn die Vizeeuropameister vom letzten Jahr die haushohen Favoriten sind.

Kajak Zweier mit Christophe auf 500m

Kajak Zweier mit Christophe auf 500m

Danach galt der Fokus sofort für den 1000m im Kajak Einer. Ich hatte nur drei Stunden Zeit zwischen dem 500m und 1000m ich ass in der Zeit ein paar Honigbrote, verbrang ein 20 Minütige Mittagspause, paddelte eine ruhige Einheit im Einer mit ein paar Beschleunigungen, regenerierte wieder, lief mich ein und ging dann aufs Wasser. Ich fühlte mich nicht komplett erholt vom Zweier, wusste aber, dass ich das Ding reissen werde. Das Selbstvertrauen habe ich irgendwo ausgegraben, weiss auch nicht wo, aber ich hatte es. Der Start war eher von der schlechteren Sorte, ich lag nach 250m im letzten Drittel des Feldes. Danach schnappte ich die ersten Boote und schob meine Spitze weiter und weiter nach vorne. Nach 500m lag ich schon auf etwa Position 4 und merkte wie ich immer der Spitze näher komme. Nach ca.750m war es dann soweit und ich setzte mich an die Spitze, die beiden Konkurrenten aus Spanien und Italien konnten meinem Tempo nicht mehr folgen, ohne dass ich einen wirklichen Endspurt anzog. Ich siegte schlussendlich mit 3 Sekunden Vorsprung. Mit 3:38 und Seiten-, Rücken- und Frontwind, was Zagreb nicht alles zu bieten hat… Es war zwar nur ein Semifinal, doch das Gefühl einer applaudierenden Tribüne, wenn man als Sieger über die Ziellinie fährt war echt nett.

Kajak Einer Semifinal Bahn 4

Kajak Einer Semifinal Bahn 4

Morgen ist es dann um 13.15 soweit mein erster Final an einer Internationalen Meisterschaft steht an. Meine Gegner kenne ich vor Allem aus dem Fernsehen. Drei von ihnen haben schon eine Elite-WM-Medaille in ihrem Palmares, die restlichen Erfolge will ich nicht aufzählen, aber es ist klar, dass ich als Underdog in dieses Rennen starte. Diese Rolle habe ich nun schon zwei Tage lang ganz gerne gehabt, so kann es weitergehen :-)

K1 Halbfinal die letzten Meter

K1 Halbfinal die letzten Meter

 

 


28
Jun 11

48 Stunden vor der U23 EM

Bald geht’s in Zagreb los mit der U-23 Europameisterschaft und dem ersten Saisonhöhepunkt. Das Schweizer Team weilt bereits seit über zwei Wochen mit den Slowenen in der kroatischen Hauptstadt um sich gemeinsam auf die EM vorzubereiten. Das Training lief ganz ordentlich, obwohl es am Anfang noch etwas harzig lief. Die Strecke war ziemlich zugewachsen von Seegras und oft blies der Wind von allen Richtungen. So liessen die ersten richtig schnellen Zeiten noch auf sich warten. In der zweiten Trainingswoche änderte sich dies und ich konnte meinen Trainingshunger mit ein paar neuen Trainingsbestzeiten stillen. Also alles was man benötigt um sich auf einen Grossanlass vorzubereiten.

Sprinttraining v.L.n.R. Christophe Nicolet, Fabio Wyss, Stefan Domeisen

Sprinttraining v.L.n.R. Christophe Nicolet, Fabio Wyss, Stefan Domeisen

Neben dem Boote fahren und dem üblichen Training an Land wurden meine bescheidenen Fähigkeiten im Materialtechnischen gefragt. Ich baute mein Steuer etwas um, so dass nun keine Pflanzen mehr hängen bleiben. Dazu kommt noch eine gebrochene Fussstütze, die ich vor ein paar Stunden zu Plastex in die Reparatur brachte. Wenn ich noch bei einer guten Gelegenheit Zeit finde, werde ich noch den neuen Plastex Fighter austesten. Mein Boot ist nun langsam in die Jahre gekommen und ist wohl keine Saison länger konkurrenzfähig.

Heute Vormittag wurden schon einmal die Boote vermessen und die Akkreditierung vorgenommen. Am Donnerstag greife ich dann ins Wettkampfgeschehen ein. Am Vormittag stehen die 1000m Vorläufe im Kajak Einer an und am Nachmittag die 500m Vorläufe, die ich mit Christophe im Kajak Zweier bestreite.

Also bis dann, ich werde versuchen die Homepage so aktuell wie möglich zu gestalten.

Ein Teil von der Slowen- / Schweizerischen Trainingsgemeinschaft Simon Blasovic, Ramona Haslebacher, Anja Ostermann, Fabio Wyss, Stefan Domeisen, Allan Apollonio

Ein Teil von der Slowen- / Schweizerischen Trainingsgemeinschaft v.L.n.R. Simon Blasevic, Ramona Haslebacher, Anja Ostermann, Fabio Wyss, Stefan Domeisen, Allan Apollonio