Rapperswil ist ein Städtchen in der Schweiz, welches ich richtig gerne mag. Unzählige Sportangebote mit besten Infrastrukturen, überblickbare Stadtgrösse, feiner Kebab und nette Ausgangs- und Shoppingmöglichkeiten. Viel wichtiger aber noch, einer der modernsten und grössten Schweizer Kanuclubs, bei dem ich Mitglied bin und ein See, der vor Allem im Herbst, Winter und Frühling meistens Spiegelglatt ist. Seit fast zwei Wochen gibt es auch noch eine festinstallierte Regattabahn mit Bojen alle 25 Meter. Man fühlt sich also schon fast wie am Weltcup, wenn man die 1000m-Strecke runterpaddelt. Dazu kommen einfach gute Erinnerungen an Rapperswil, viele witzige und gute Trainingspartner, offene Leute mit viel Verständnis und Unterstützung für den Spitzenkanusport und nicht zu vergessen die 7 Schweizermeistertitel, die ich letztes Jahr hier aus dem See gefischt habe…

Kajak Zweier 1000m
Wieso ich das alles schreibe? Eigentlich nicht um meinen Rapperswiler Clubkollegen zu schmeicheln, sondern vielmehr die persönliche Bedeutung herauszustreichen, wenn es wieder einmal heisst: Internationale Frühjahrsregatta Rapperswil. Auf der olympischen 1000m war ich Favorit und ich habe mir selber ziemlich viel Druck auferlegt, da ich zeigen wollte, dass ohne meine Erkältung am Saisonstart in Mantova noch mehr möglich gewesen wäre. Wie schon in Mantova ging meine Taktik hervorragend auf. Nach den ersten 250m lag ich noch auf Position drei und konnte dann einen sehr druckvollen und kräftigen Streckenschlag fahren. Bei 500m versuchte ich den Druck und die Frequenz noch etwas zu steigern. Leider brachten mich ein paar seitliche Bootswellen etwas aus dem Konzept, es gelang mir aber trotzdem. 300m vor dem Ziel lag ich fast gleichauf mit dem Führenden David Gubser und da begann ich schon mit meinem Schlussspurt an. Normalerweise ist dies zu früh, aber ich fühlte mich einfach sehr gut. Es war eine stetige Steigerung vom Druck auf dem Paddel, der Schlagzahl und der Geschwindigkeit. Schlussendlich lag ich im Ziel 1.08 Sekunden vor David und erreichte meine Zielsetzung. Am besten gefiel mir, dass ich verglichen zu Mantova wieder zu einem druck- und kraftvollen Schlag zurückgefunden habe. Während dem Rennen konnte ich ruhig bleiben und die Schlagzahl im Streckenschlag tief halten und dafür im Start- und Endspurt hochbringen.
Die Zweier- und Viererrennen waren erwartungsgemäss eine klarere Sache auf dem 1000m. Interessant war der Vergleich im K2 gegen Stefan Domeisen und Andri Summermatter. Die beiden Jungtalente (Stefan 19-Jährig, Andri 17-Jährig), konnten ihren Zweier gut laufen lassen und zwangen Christophe und mich ein schnelles Rennen zu zeigen um den Sieg zu bewerkstelligen. Im Kajak Vierer siegte unser Rapperswiler Boot in der Besetzung Fabio Wyss / Christophe Nicolet / Stefan Domeisen / Fabian Reck diskussionslos. Am Samstagabend wurde bei welligen Bedingungen der Kajak Einer über 200m ausgetragen. Die neue olympische Distanz, war noch nie so mein Ding und wird es vermutlich auch nicht werden, aber man soll ja niemals nie sagen. Ich kam in den Final und wurde dort Siebter, gewonnen wurde das Rennen vom Deutschen Jürgen Schüle. Somit war der erste Arbeitstag vom Wochenende erfolgreich hinter sich gebracht und es galt sich nun von diesen vier Rennen zu erholen um am nächsten Tag wieder bereit zu sein.

Siegerehrung Kajak Zweier
Am Sonntagmorgen um 09.00 Uhr stand für mich der 500m Vorlauf im Kajak Einer an. Ich war noch nie der schnellste Schweizer über diese Distanz und ich wusste, dass man auf die ausländische Konkurrenz aus Deutschland auf jeden Fall aufpassen musste. Der Vorlauf war richtig krampfig, als Dritter im Vorlauf qualifizierte ich mich für den Final und ging nicht wirklich an meine Grenzen, doch das Gefühl war überhaupt nicht gut. Doch erfahrungsgemäss wusste ich, dass ich dieses Rennen einfach zum Aufwachen brauchte um dann für den Final richtig fit zu sein. Genau so kam es dann auch, der erste Schlag passte schon richtig gut und ich beschleunigte das Boot für meine Verhältnisse richtig gut aus dem Start heraus. Da es mein erster voller 500m in diesem Jahr war, hatte ich noch etwas Schwierigkeiten mit den höheren Schlagzahlen und meine Technik verfiel etwas. Doch mit viel Druck brachte ich trotzdem einen guten Schlussspurt zurecht und überquerte 0.75 Sekunden hinter dem Deutschen Jürgen Schüle die Ziellinie. Ich war gerade noch knapp vor meinem Zweierpartner Christophe, der ein ebenfalls starkes Rennen zeigte. Im Zweier über die nichtolympischen 500m versuchten Christophe und ich unsere Fortschritte im Einer über diese Distanz auch im Zweier zu beweisen. Für unsere Verhältnisse starteten wir sehr kraftvoll und explosiv und waren schon am Start vorne mit dabei. Einzig die Deutschen starteten schneller, doch bei Rennhälfte zogen wir an ihnen vorbei und distanzierten das ganze Feld. Im Ziel waren wir uns beide einig, einen sehr guten Saisoneinstand auf dieser Strecke gezeigt zu haben. Als wir dann noch hörten, dass wir eine Zeit von 1:34.13 aufstellten, waren wir richtig zufrieden. Eine neue persönliche Bestzeit zu diesem Zeitpunkt der Saison ohne Rückenwind und in 16 Grad kaltem Wasser, ist auf jeden Fall zufriedenstellend.
Danach wechselte wie so oft an dem Wochenende wieder das Wetter und wir kämpften im Vierer auf 500m mit hässlichen Seitenwellen. Hinter dem Deutschen Vierer schaute Rang Zwei heraus. Auch auf 200m im Einer gab es noch einige Wellen, trotzdem lief unser Boot stabil und für einen 200m fuhren wir ganz ordentlich. Ebenfalls Rang Zwei hinter Deutschland hiess es am Ende.
Von jetzt bis Donnerstag trainieren Christophe und ich noch in Rapperswil, bis wir dann an unseren ersten Weltcup der Saison anreisen. In Racize (CZE) starten wir über 1000m und 500m im Kajak Zweier und hoffen mit einer B-Finalquali gleich die Selektionslimite vom Kanuverband zu erfüllen.
Wichtigste Resultate:
K1 1000m:
1. Fabio Wyss 3:41.37, 2. David Gubser 3:42.45, 3. Christophe Nicolet 3:44.79
K2 1000m:
1. Wyss/Nicolet 3:35.89, 2. Domeisen/Summermatter 3:39.50
K1 200m:
1. Jürgen Schüle GER 37.19, 2. Böhme Niklas GER 37.35, 3. Gubser Remo 37.90, 7. Fabio Wyss 39.79
K2 200m:
1. Schüle/Böhme GER 38.53, 2. Wyss/Nicolet 38.82, 3. Schneider/Ströhle GER 41.12
K1 500m:
1. Jürgen Schüle GER 1:46.24, 2. Fabio Wyss 1:46.99, 3. Christophe Nicolet 1:47.11
K2 500m:
1. Wyss/Nicolet 1:34.13, 2. Schüle/Böhme 1:36.62, 3. Gubser/Gubser 1:40.21